ISO, Blende, Verschlusszeit auf einem Blick (Fotografie Basics)

Die meisten von uns kennen das, man möchte über die Fotoqualität eines Smartphones hinaus kommen und eventuell sogar Bilder bearbeiten, der erste Gedanke zum Kauf einer DSLR oder DSLM ist getan. Dann beginnt die Auswahl eines von vielen verschiedenen Kamera-Modellen, die sich sogar teilweise sogar beim selben Hersteller unterscheiden. Ist dieser Schritt getan knipst man zunächst etwas herum (ist man ja vom Smartphone oder Kompaktkamera auch gewöhnt). Doch irgendwann kommt der Gedanke, früher oder später zumindest, das man gerne Bilder schießen möchte, die Profis zu Tausenden ins Web stellen, usw. Dazu muss man allerdings einige Fotografie Basics beherrschen um ansprechende Ergebnisse zustande zu bekommen.

Dazu hat man sich beim Fotoblog Hamburg so seine Gedanken gemacht und eine Cheatcard für Anfänger (ich gehe davon aus, das man diese später eigentlich nicht mehr braucht) bereitgestellt, die auf einem Blick alles erklärt was wichtig ist um ansprechende Bilder zu kreieren.

Fotografie Basics – die Blende

Die Blende ist eine mechanische Vorrichtung in einem Kamera-Objektiv, mit deren Hilfe man den Lichteinfall verändert werden kann. Meist ist sie als Lamellenblende (stellt euch das wie eure Pupille vor, das Prinzip ist dasselbe) konzipiert, mit der man die kreisförmig angeordneten Lamellen so ineinander verschieben kann, das der Lichteinfall größer oder kleiner wird. Von der Blendenzahl hängen vor allem Belichtungszeit und Schärfentiefe ab. Mit dieser Zahl wird das Verhältnis Brennweite zur Blendenöffnung angegeben.

„Lenses with different apetures“ von KoeppiK - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lenses_with_different_apetures.jpg#/media/File:Lenses_with_different_apetures.jpg

„Lenses with different apetures“ von KoeppiK – Eigenes Werk.

Wir wissen also jetzt, das die Blende unmittelbar auf die Stärke der Belichtung des Bildsensors aus. Je kleiner also die Blendenzahl ist, desto größer ist die Blende (man spricht hier auch von „Offenblende“) und desto mehr Licht kommt durch euer Objektiv auf euren Sensor. Oder anders ausgedrückt: Mit einer Blende von f/2.8 prallt in etwa 4mal so viel Licht auf den Sensor wie mit einer Blende f/5.6. Mit diesem Wissen können wir uns schon Bewusst machen, das diese Blendenzahl hinsichtlich der Belichtungszeit (=Verschlusszeit) eine Rolle spielt.

Allgemein kann man sagen, dass

  • eine größere Blendenzahl, eine längere Belichtungszeit erfordert (denn die Blendenöffnung ist hier KLEIN)
  • eine kleinere Blendenzahl, eine kürzere Belichtungszeit erfordert (denn die Blendenöffnung ist hier GROSS)

Bei modernen DSLR gibt es nun auch die Möglichkeit mit einer Blendenautomatik, die Kamera entscheiden zu lassen, welche Blende aufgrund von der Lichtmenge gesteuert wird, das sei aber nur am Rande erklärt, ich fotografiere nur im manuellen Modus, weil ich entscheiden möchte, was meine Kamera für Einstellungen vornehmen soll und nicht umgekehrt.

Die Blendenzahl und der Einfluss auf die Schärfentiefe

Nicht nur das die Blende den Lichteinfall auf den Sensor steuert, es beeinflusst auch die Schärfentiefe eines Bildes. Ihr kennt doch sicher die vielen Bilder, wo auf ein Objekt scharf fokussiert wurde und andererseits aber der Hintergrund komplett in der Unschärfe verschwindet (wir sprechen hier von Bokeh). Haben wir also eine größere Blendenzahl und eine dadurch sich ergebende kleine Blendenöffnung, wird auch der Unschärfekreis kleiner.

Daraus ergibt sich, dass

  • eine GRÖSSERE Blendenzahl, eine weitere Schärfentiefe (Blendenöffnung ist KLEIN) ergibt

und

  • eine KLEINERE Blendenzahl, eine GERINGERE Schärfentiefe (Blendenöffnung ist GROSS) ergibt

Im allgemeinen Sprachgebrauch der Fotografie spricht man anstelle von Blendenöffnung schlicht von der Blende. Beispielsweise „ich fotografiere mit einer offenen Blende“, um auszudrücken das man mit einer geringen Blendenzahl und großer Blendenöffnung fotografiert. Ich weiß, am Anfang ist das recht verwirrend und kann oft zu Missverständnissen führen, wenn eine große Blendenöffnung einer kleinen Blendenzahl entspricht. Aber das kommt mit der Zeit. Denkt hier immer mal an die Pupille des menschlichen Auges 😉

 

Fotografie Basics – die Verschlusszeit

Der nächste wichtige Punkt bei der Wahl der Einstellung ist die Verschlusszeit, das ist jene Belichtungszeit die durch den Verschluss der Kamera gebildet wird. Die Steuerung funktioniert entweder mechanisch oder elektronisch.

Auf der Kamera auswählbar ist eine sogenannte Verschlusszeitenreihe, die sich bei jeden Einstellungsschritt um die Hälfte reduziert. Also auch die Zeitdauer, bei der der Sensor der DSLR/DSLM dem Lichteinfall ausgesetzt ist. Die Zeitangaben werden in Reziprokwerten angegeben, also in Sekundenbruchteilen:

1 – 2 – 4 – 8 – 16 – 30 – 60 – 125 – 250 – 500 – 1000 – 2000 – 4000

Mit jeder dieser Einstellungsstufe halbiert sich also die Lichtmenge die auf den Sensor trifft. Kürze Verschlusszeiten können mit großen Blenden kompensiert werden, dabei entspricht eine Stufe der Blendenreihe einer Stufe der Zeitreihe.

Je nach Kamera werden auch besondere Bezeichnungen auf dem Verschlusszeiteinstellrad oder der Displayanzeige angezeigt:

  • AUTO – automatische Belichtung, die Kamera steuert die Belichtung in Abhängigkeit von der Blende. Bei Kameras ohne Verschlusszeiteneinstellrad wird das über ein Belichtungsprogramm gesteuert (Üblich sind hier: „P“/“A“/“S“/“M“ oder „P“/“Av“/“Tv“/“M“)
  • BULB – mit dieser Einstellung könnt ihr über die meist üblichen 30″ belichten bzw solange, bis ihr wieder den Auslöser betätigt. Bei den meisten Kameras muss man aber bei BULB den Auslöser gedrückt halten, so dass hier ein Fernauslöser praktikabler wäre.
  • X oder ein Blitzsymbol – dies steht für Blitzsynchronisationszeit. Bei Kameras mit Schlitzverschluss bedeutet dies die kürzeste Verschlusszeit, bei der der Sensor einen Moment lang komplett ausgeleuchtet wird.

Verschlusszeit – die Bildwirkung

Mit der Wahl der Verschlusszeit greift man neben der korrekten Belichtung und die Wahl der Blendenzahl auf die Bildwirkung ein. Mit kurzen Verschlusszeiten werden schnelle Bewegungen „eingefroren“, beispielsweise die einzelnen Tropfen eines Wasserfalls werden sichtbar und bei längeren Verschlusszeiten werden schnelle Bewegungen dynamisch dargestellt. Häufig wird der Fehler gemacht diese Effekte mit Verwackeln gleichzusetzen. Mit den beiden Bildern möchte ich euch das verdeutlichen:

Fotografie Basics – der ISO

Als ISO bezeichnet man die Lichtempfindlichkeit von Filmen (analoge Fotografie) beziehungsweise des Sensors (digitale Fotografie). Bei höheren ISO-Werten und daraus resultierender höherer Lichtempfindlichkeit kann mit gleicher Belichtungszeit in dunkler Umgebung fotografiert werden oder bei heller Umgebung die Belichtungszeit reduziert werden.

Fotografie Basics - ISO

Fotografie Basics: ISO – Werte im Überblick

Früher gab man als Wert zur Filmempfindlichkeit neben dem ISO auch noch in DIN, ASA oder GOST an. Mittlerweile hat sich aber der ISO als Wert für Lichtempfindlichkeit durchgesetzt. Die heutigen ISO Werte auf Digitalkameras sind

25 – 50 – 64 – 100 – 200 – 400 – 800 – 1600 – 3200 – 6400 – 12800 – 25600 –  51200 – 102400 – 204800

Je höher die ISO-Zahl, desto weniger Licht wird beim Fotografieren benötigt. Dadurch verringert sich auch die Belichtungszeit. Zu beachten ist aber auch, das bei höherer Lichtempfindlichkeit auch die Auflösung der Bilder sinkt. In der analogen Fotografie macht sich das vor allem durch gröbere Körnungen im Bild bemerkbar. Andererseits kann ein hoher ISO-Wert durchaus auch als Stil-Mittel eingesetzt werden (etwa bei s/w-Fotografie). Zudem hat sich ein höherer ISO-Wert in der Sternen- und Milchstraßenfotografie bewährt. Und als kleinen Tipp kann ich euch hier nur mitgeben:

Besser ein verrauschtes Bild – als gar kein Bild

Und im Grunde sieht man das Bildrauschen ja eigentlich auch vermehrt in der vergrößerten Ansicht (100 – 200 fache Vergrößerung beispielsweise in Lightroom und Photoshop) bemerkbar und in der Normalansicht eher nicht. Druckt euch mal eines eurer Bilder aus und vergleicht mal mit dem Bild auf euren Monitor.

ISO Werte im Vergleich

ISO Werte im Vergleich

Ich hoffe ich konnte euch weiterhelfen bei euren ersten Schritten in der Fotografie. Schreibt mir in den Kommentaren, wenn euch diese Tipps gefallen und wenn ihr Fragen habt – nur zu. So und jetzt raus mit euch und fotografiert was das Zeug hält (natürlich im M-Modus 😉 ).

 

 

2015-05-05T10:24:49+00:00

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Fotograf und Retoucher aus WienLiebt die Fotografie, aber meistens müssen Menschen auf den Fotos drauf sein. Auf meinem Instagram-Account findet ihr die aktuellsten Bilder und Stories.

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