Hilfe meine Facebook Reichweite sinkt

Seit Mark Zuckerberg eine Mitteilung rausbrachte, die nichts anderes hieß als “back to the roots” also Facebook sollte von Freunden für Freunde sein, war der Aufschrei bei den Publishern groß. Vor allem unter den Kreativen ist da ein großer Unmut gewachsen, da man sich ja “mühevoll” seine Reichweite aufgebaut hat und jetzt immer weniger die Beiträge der jeweiligen Seite sehen. Viele gingen sogar so weit und sehen Instagram als den “heiligen Gral” an, da man hier noch Anerkennung in Form von Likes (aka Herzchen) bekommt, die man auf Facebook eben nicht mehr so hat. Das aber dabei vergessen wird, dass der Algorithmus bei Instagram mittlerweile genauso beziehungsweise meiner Meinung nach sogar schärfer läuft als bei der Konzern-Mutter, wird dabei ebenfalls außer Acht gelassen.

Doch warum sinkt die Reichweite auf Facebook-Seiten so drastisch?

Man muss erstmal die Größe von Facebook mit seinen Millionen von Profilen als Ganzes betrachten, jeden Tag kommen weitere tausend Profile auf Facebook dazu. Das heißt das irgendwann es schlichtweg nicht mehr funktionieren würde, wenn da der Content einfach nur so auf der eigenen Timeline durchrauscht. Also hat man sich dazu entschlossen, einen Algorithmus einzuführen, der die relevantesten Beiträge filtert und den Usern anzeigt. Je nach den individuellen Interessen verschieben sich nach und nach die Beiträge und so kann es sein, das jeden Tag andere Beiträge angezeigt werden. Für uns als Publisher bedeutet das ganz einfach das wir relevante Beiträge bringen sollen, die unsere Follower interessieren und sie dazu verleitet, die Beiträge zu liken, zu kommentieren oder noch besser zu teilen. Also ein wenig so wie das auch schon seit Jahren bei Google in den Sucherergebnissen sich wiederspiegelt.

Was kann man nun dagegen tun, um wieder mehr Reichweite zu bekommen?

Viele Kreative sehen ja jetzt Instagram als den heiligen Gral an wenn es darum geht, ihren Content im Netz zu verbreiten. Ich halte das aber für falsch, auch mich in meinen Social-Media-Marketing auf Facebook allein zu verlassen, immerhin gibt es ja mehrere Social Networks, die darauf warten von unseren Content bespielt zu werden. Generell muss man ja sagen, dass es noch nie so einfach war, im Internet auf sich aufmerksam zu machen, nicht nur durch Facebook. Auch meine Strategien hat sich mittlerweile auf mehrere Netzwerke verlagert, sei es Facebook, Instagram, Google+, Pinterest oder eben auch Twitter oder 500px. Einige davon bringen mir auch SEO-Technisch etwas, aber dazu schreibe ich in einen weiteren Artikel was dazu. Kommen wir also zurück auf Facebook, wie kommt mein Content wieder etwas mehr Reichweite?

Für die Auswahl an passenden Content in deiner Timeline geht Facebook nach einen vierstufigen Plan:

  1. Inventory – welche Stories von Freunden und Seiten sind gerade in deinem Feed verfügbar?
  2. Signals – Wer hat die Story gepostet?
  3. Prediction – wie wahrscheinlich ist es, dass du mit diesem Content interagierst?
  4. Score – Berechnung der Relevanz

Während Punkt 1 und 4 schon etwas länger existieren, gab es bei 2+3 massive Veränderungen

Neuer Algorithmus

Die Timeline auf Facebook reagiert auf eine Vielzahl von Signalen. Mit der letzten Ankündigung von Mark Zuckerberg haben sich diese ein wenig umgeschichtet, manche sind nun bedeutender als andere:

Facebook

“Meaningfull” bedeutet, dass nun solche Signale auf die Interaktion mehrerer Personen beruhen:

  • Eine Person teilt einen Link über den Messenger
  • Mehrfache Antworten auf den Kommentar einer Person zu einem Video
  • Interaktion mit den Fotos oder Beiträgen einer Person
  • Interaktionen mit einen Post einer Facebook-Seite, die von einer Person geteilt wurde.

Natürlich ist das keine vollständig Liste, Facebook wird zum Schutz des Feeds natürlich nicht alles veröffentlichen, aber die Richtung hier ist klar: Der Beitrag von eurer Seite oder die Inhalte eurer Website sind nicht relevant, solange sie Personen nicht zu Interaktionen veranlassen. Auch das berühmte “Like und kommentiere wenn dir der Beitrag gefällt” wird von  nun an hinfällig sein, das wird sogar von Facebook abgestraft (Vielen Dank an die vielen Spass-Facebookseiten an dieser Stelle).

Was bedeutet das für Seitenbetreiber?

Die Konsequenz für uns als Publisher ist eigentlich recht einfach und wurde von Facebook in einem Slide zusammengefasst:

  • Eure Beiträge müssen Interaktionen auslösen
  • Der Fokus soll auf eure Zielgruppe und deren Bedürfnisse beruhen
  • KEIN ENGAGEMENT BAIT

Gerade beim ersten Punkt sollten wir langsam zum Umdenken anfangen: Die Aufforderung geht nicht mehr zum Konsum eines Inhalts, sondern zur Interaktion mit diesem. Im Grunde fangen wir alle hier wieder bei 0 an und müssen mit kleinen oder großen Tests herausfinden, mit welchen Mechanismen eine lebende Community aufgebaut wird.

Und für Nachrichtenseiten?

Eine weitere Maßnahme betrifft zukünftig Nachrichtenseiten und hier hat Facebook sich noch weitere Hürden einfallen lassen um den Thema “Fakenews” Herr zu werden. Hier müssen Nachrichtenseiten noch 3 weitere Punkte erfüllen:

Facebook

Publisher müssen in Zukunft für den Leser vertrauensvoll eingestuft werden und sollen informative und lokale Inhalte bieten. Somit ist das Betteln um einen “Als erstes anzeigen”-Klick hinfällig, weil das von Facebook nicht als primärer Faktor angenommen wird. Vielmehr wird das in Zuge einer Befragung an zufälligen Lesern der Publikation basieren.

Zusätzlich zum Informationsgehalt wird auch der Faktor Textlänge und die Verweildauer eine Rolle spielen und die Regionalität lässt sich relativ gut mit der Verbreitung eines Beitrags durch Nutzer einer bestimmten Region kontrollieren.

Deine Facebook-Reichweite steigern: So geht’s

Tipp 1 – Qualität statt Quantität

Facebook will, genauso wie Google, relevanten, interessanten Content bieten, also alles damit mehr Zeit auf Facebook verbracht wird. Ob das  jetzt ein lustiges Posting ist oder eine emotionale Geschichte oder ein schlauer Spruch sei euch überlassen, seid kreativ. Je länger man auf Facebook verbringt, desto mehr Werbung kann den Usern angezeigt werden und desto mehr Geld fließt in die Kassen von Facebook. Beiträge die genau das erzielen werden hervorgehoben werden. Es ist kein Zufall, dass Bildern von Neugeborenen oder Hochzeiten öfter im Newsfeed auftauchen, denn darauf reagieren die User. Besser ist es also einen qualitativ hochwertigen Beitrag mit interessanten Inhalt zu verfassen als 5 langweilige Bilder.

Facebook

Die Engagement-Rate steigt auch wenn andere Emotionen als das simple “Like” gedrückt werden.

Tipp 2 – Bewegtbilder sind die Zukunft

Bewegtbildern gehören die Zukunft. Egal ob es eine simple GIF oder ein kurzes Video oder ein 360° Video ist. Diesen Trent kann man nutzen und so die Interaktion zu steigern.

GIF Facebook

Tipp 3 – Die 80/20-Regel

Facebook sollte man nicht als Verkaufsplattform ansehen. Nieman geht auf Facebook um etwas zu kaufen. NIEMAND. Für viele Publisher ist das dennoch ein Ziel also sollte ein “Verkaufen”-Beitrag sich nicht wie “Verkaufen” anfühlen. Hier kommt die Kunst des Marketings zu tragen, mit denen man mit Facebook-Beiträge Follower unterhält aber auch langfristig Umsatz generieren soll. Hier kommt die 80/20 Regel zum Tragen: 80% der Beiträge sollen nicht verkaufen und nur dazu dienen, zu unterhalten, Markenloyalität aufzubauen. Maximal 20% der Beiträge sollen potenzielle Kunden zum Kauf bewegen. Klingt doch ganz einfach oder?Shopping Facebook

Tipp 4 – seid emotional

Ich hab da mal ein Statement von Calvin Hollywood gelesen, in dem er meinte:

Social Network kommt von social, also sei social Klick um zu Tweeten

Also schreibt eure Beiträge nicht runter wie Maschinen, sondern erzählt Geschichten zu euren Beiträgen. Storytelling wird ja momentan überall als Nonplus-Ultra beschrieben und ich denke das wir ja im Grunde auch auf Facebook sind um unterhalten zu werden. Facebook-Seiten die das nutzen gibt es ja genug. Schaut aber nicht nur im Kreativ-Bereich, sondern wagt den Blick über den Tellerrand und schaut was andere Branchen machen um deren Reichweite zu erhöhen.

Tipp 5 – Die Uhr nach den Fans stellen

Zu guter Letzt: weißt du wann deine Zielgruppe online sind? Nein, dann solltest du mal die Statistiken deiner Facebook-Seite dir genauer ansehen. Hier kann man genauestens erfahren, wer die Zielgruppe überhaupt ist und wann diese auch online ist. Und genau danach richtet ihr auch eure Facebook-Posts. Das heißt aber auch nicht das ihr genau zu den Zeitpunkt an euren Rechner sitzen müsst um eure Beiträge auf Facebook zu veröffentlichen, hier ist das “Planen-Tool” super hilfreich und unterstützt euch dabei, eure Beiträge genau dann zu posten, wann auch eure Zielgruppe online ist.

Fazit:

Die Reichweite ist zwar geringer geworden, aber generell heißt das nicht, dass man nun Facebook den Rücken kehren sollte. Man muss eben nur raffinierter an die Sache herangehen. Als großen Tipp möchte ich euch nochmal ans Herz legen, euch nicht nur auf Facebook zu konzentrieren sondern auch andere Kanäle zu bespielen. Seht Facebook als eines von vielen Möglichkeiten, euren Content zu verbreiten und nicht als einzigen Weg. Denn auch in den Zeiten vor Facebook & Co hat man es geschafft, Inhalte zu verbreiten.

By | 2018-02-11T13:55:01+00:00 Februar 11th, 2018|Social Media für Fotografen|0 Comments

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Fotograf und Retoucher aus Wien, Gründer des SonyAlpha-Blogs Liebt die Fotografie, aber meistens müssen Menschen auf den Fotos drauf sein.

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