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Kann Affinity Photo Photoshop ersetzen?

Roman · April 13, 2019 · Affinity Photo, Bildbearbeitung, Testberichte · 0 comments
Affinity Photo

Die Photoshop Alternative Affinity Photo aus dem Hause Serif hat das Interesse vieler Hobbyfotografen geweckt, die ohne Abomodell auskommen wollen. Kann aber die Software mit den Branchenprimus von Adobe, Photoshop mithalten? Ich hab mir Affinity Photo in den vergangenen Monaten genauer zur Gemüte geführt und möchte heute meine Eindrücke weiter geben.

Quo Vadis Photoshop?

Kennt ihr das Gefühl, das ihr bei einer Software irgendwie ständig ein Beta-Tester seid und die Software selbst immer mehr verschlimmbessert wird? Das Gefühl hab ich schon seit längerem bei Photoshop und so hab ich mir mal wieder Affinity Photo angesehen, welches ich schon mal in der Beta mir angesehen hatte.

Seit einigen Jahren hat man bei Adobe die Creative Cloud eingeführt – ein monatliches Bezahlsystem bei der man zu einen Preis von 12€ Adobe Lightroom, Adobe Photoshop, Adobe Bridge und 20GB Photocloud dazu bekommt. Wenn man sich die früheren Preise allein von Photoshop ansieht, dann durchaus ein Kampfpreis. Man erhält immer die aktuellsten Software-Versionen, usw. Also. Preis-/Leistung stimmen auf dem ersten Blick für mich nach wie vor. Das Problem was mich schon seit einiger Zeit verfolgt ist das ich das Gefühl habe, wir sind irgendwie Beta-Tester. Bei mir ging zum Beispiel seit dem. Mojave Update meines MacBooks einige Zeit Photoshop garnicht, so dass ich sogar zurück auf MacOS „High Sierra“ musste. Was ich bis heute aber nicht verstehe, das ich davor auch „Mojave“ in der Beta genutzt hatte und da ging Photoshop einwandfrei.

Das Problem bei einem Marktführer wie Adobe ist, das die Innovationen auf Dauer ausbleiben, es werden immer wieder kleinere Features hinzugefügt, die Software an sich wird immer fetter und träge, usw.

Affinity Photo – Mein erster Eindruck

In diversen Foren und Facebook-Gruppen gibt es ein großes Interesse an Affinity Photo, also eigentlich kommt man nicht drumrum, nichts von der Software zu lesen. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Photoshop-Klon (so wie viele andere auch), was aber zusätzlich zu erwähnen ist: Man hat kein Abo-System wie bei Adobe, die Software ist mit 54,99€ sehr günstig und darf ohne Zweifel als Kampfansage an Adobe gesehen werden.

Ein Blick in Affinity Photo

Geübte Photoshop-Nutzer finden sich bei der Oberfläche schnell zurecht: Links findet man die Werkzeuge, rechts die Bedienfelder, oben die Menü- und Optionsleiste und in der Mitte die Anzeige für das zu bearbeitende Bild.

Die Unterschiede liegen im Detail, bei vielen Dingen werden andere Begriffe verwendet. Misch- und Einstellungsebenen werden Anpassungen genannt und befinden sich in sogenannten Panels, welche man ein- und ausblenden kann. Auch bei den Werkzeugen hat man an eine vergleichbare Funktionalität, aber andere Namen. Ein Beispiel: der Bereichsreparaturpinsel aus Photoshop wird in Affinity Photo „Restaurieren“ genannt.

Zusätzlich bietet Serif in AP separate Arbeitsbereiche, die Personas genannt werden. Ich persönlich habe eher in er Photo Persona gearbeitet, wo die klassischen Retusche- und Optimierungsarbeiten durchgeführt werden. Dann gibt es noch die Liquify Persona, mit der man Objekte und Personen verzerren und verformen kann, mit der Develop Persona ist ein RAW Konverter an Board, in der Tone Mapping Persona kann man HDR Bilder optimieren und last but not least gibt es die Export Persona, die das jeweilige Projekt in verschiedenen Dateiformaten ausgeben kann. Das Coole an der Sache ist, das man während der Optimierung eines Bildes jederzeit zwischen den Personas hin- und herwechseln kann. Die Bearbeitungen sind non-destruktiv, also können jederzeit wieder geändert oder rückgängig gemacht werden.

Ist Affinity Photo mit Photoshop Dateien kompatibel?

Um den Bildbearbeitern und Fotografen den Umstieg zu erleichtern, kann AP auch alle gängigen Standardformate, inklusive den Photoshop-Format PSD öffnen und bearbeiten. Zusätzlich gibt es ein eigenes Format mit der Dateiendung „*.afphoto“.

Die Farbräume

Affinity Photo schafft die Farbräume RGB, CMYK und Lab, jeweils in 16- und 32-bit.

Gibt es Plug-Ins für Affinity Photo?

Affinity Photo verfügt über eine Plug-In Schnittstelle, mit der sogar Photoshop-PlugIns möglich sind. Bei mir war da ein kleiner Wermutstropfen: mein Retouching Toolkit, welches ich in Photoshop gerne verwende, ging in Affinity Photo nicht zu implementieren.

die 5 Personas

Ich fand die Personas am Anfang etwas weird, aber nach und nach hab ich mich mit den Vorteilen angefreundet. Man braucht nur auf das entsprechende Icon klicken und schon wechselt man in die gewünschte Persona. Hier werden nur noch die relevanten Werkzeuge und Symbolleisten angezeigt.

Photo Persona

Photo Persona

Die Standard-Persona in Affinity Photo, sobald man ein neues Dokument anlegt oder ein gespeichertes öffnet. Hier findet man die Pinsel-, Auswahl- u. Retuschierwerkzeuge.

Liquify Persona

Affinity Photo

Habt ihr in der Photo Persona eine RGB-Pixelebene im Ebenpanel ausgewählt, dann kann man mit der Liquify Persona mit Hilfe eines Gitternetzes Objekte und Personen verzerren und verformen. Also genau das was man mit den Verflüssigen-Filter in Photoshop macht.

Develop Persona

Develop Persona

In diesen Arbeitsbereich kommt man automatisch wenn man eine RAW-Datei in Affinity Photo öffnet. Es ist somit das Pendant zum CameraRAW-Filter. Ist das Bild fertig entwickelt, klickt ihr links oben auf den Entwickeln-Button und kommt in die Photo Persona.

Tone Mapping Persona

Affinity Photo

Den Bereich hab ich nicht wirklich genutzt, ihr gelangt ihr rein wenn ihr über Datei>Neue HDR Kombination Bilder zu einem HDRI zusammenfügt. Mit diversen Reglern habt ihr hier die Möglichkeit ein 32-Bit HDR zu bearbeiten, es sind aber auch 8-Bit oder 16-Bit nutzbar.

Export Persona

Export Persona

Für Die Ausgabe eurer Projekte ist die Export Persona zuständig, mit der ihr Projekte in verschiedene Dateiformate exportieren könnt.

Pluspunkte bei Affinity Photo

Nach ein paar Monaten hab ich einen guten bis sehr guten Eindruck von Affinity Photo erhalten. Die Software belegt weniger Speicher auf der Festplatte als Photoshop. Während Affinity Photo bei mir mit Capture One 12 insgesamt 1,6 GB belegt, sind das bei Photoshop allein über 2 GB. Affinity Photo läuft bei mir auch flüssiger als Photoshop, die Reparaturwerkzeuge, die ich bei meiner Retusche benötige sind schneller und effizienter als beim Marktführer. Besonders der Reparaturpinsel in Photoshop hat mit seinen neuen Algorithmus einige Macken, die unschöne Artefakte auf der Haut machen. Das Heranzoomen eines Bildes läuft zumindest in MacOS smoother als in Photoshop ab.

Eine geile Sache finde ich vor allem auch die Live-Filter, die man auch auf einzelne Ebenen anwenden kann und man sofort „live“ die Effekte am Bild sieht, noch bevor man den Effekt bestätigt. So kann man schön dosieren und muss nicht wie in Photoshop schätzen.

Negativpunkte bei Affinity Photo

Ein paar Negativpunkte stören mich bei Affinity Photo, etwa das sich einzelne Einstellungen bei Werkzeugen nicht speichern. Wenn ich auf einer leeren Ebene den Restaurieren-Pinsel aktiviere, muss ich jedes Mal neu einstellen, das der Pinsel auch die darunterliegenden Ebenen aufnehmen und restaurieren soll. In Photoshop speichert sich das automatisch ab. Ein weiterer Punkt betrifft das Exportieren einer PSD: Mein Workflow sieht so aus: RAW-Entwicklung in Capture One – Export nach Photoshop/Affinity Photo und dann mit speichern wieder in Capture One Pro. Wenn ich die PSD in Photoshop speichere wird die Datei in Capture One nach der Speicherung angepasst, also man sieht mein fertiges Bild und nicht das Bild ohne Korrekturen. In Affinity Photo muss ich die Datei exportieren und die „alte“ Datei überschreiben, um den gleichen Effekt zu haben. Will ich anschließend die Datei in Affinity Photo schließen, müsste ich das Projekt speichern (im *.afphoto Format) oder einfach ohne Speicherung schließen.

Mein Fazit zu Affinity Photo

Insgesamt hat man mit Affinity Photo eine saugeile Photoshop-Alternative am Start, ideal für jene die nicht auf das Abo-System setzen wollen oder generell auf Photoshop verzichten wollen. Die Retusche und Bildbearbeitung bietet dieselben Möglichkeiten wie in Photoshop. Ich empfehle aber den zusätzlichen Kauf eines Fachbuchs zu Affinity Photo. Serif bietet hier selbst das Workbook an, was einen tollen Einblick in das Programm bietet. Alternativ gibt es auch vom Gallileo Verlag einige Bücher zu Affinity Photo:

Ihr könnt euch eine Testversion von Affinity Photo direkt auf der Webseite von Serif runterladen und testen. Habt ihr auch schon mal AP angesehen? Wie sind eure Eindrücke? Schreibt es mir in die Kommentare.

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