Konstruktive Kritik ja – aber bitte auch richtig

Schon etwas länger her, seitdem ich hier auf dem Blog einen Artikel geschrieben habe, die Zeit ließ es leider nicht zu. Nichts desto trotz fällt mir in letzter Zeit eine kleine Unart in diversen Fotogruppen auf Facebook auf, die ich nicht sonderlich nachvollziehen kann. Und das betrifft einmal mehr die Kritik bei Bildern. Entweder man erhält oft nur Likes, die Kommentare belaufen sich nur auf “geil”, “cool”, “Hammer” (Übrigens ein cooler Wortwitz, ich werde durch meinen Nachnamen häufig in diversen Gruppen markiert, obwohl ich das betreffende Bild nicht hochgeladen hatte) oder aber auch das Gegenteil, der Fotograf wird auf unterste Schublade niedergemacht. Irgendwie eine Eigenart auf Facebook, sieht man ja derzeit häufiger. Man könnte jetzt auch sagen, ja klar, Kritik ist Kritik, aber den Fotografen ist nicht damit geholfen. Ich habe selbst in der Schule die Kunst des “Feedback gebens” gelernt und deswegen verfasse ich meine Kritik zumeist mit positiven und negativen Aspekten zu einen Bild. Gelingt mir zwar nicht immer, aber ich versuche mich zumindest daran zu halten. Denn nur konstruktive Kritik verhilft anderen dazu, sich verbessern zu können. Überhaupt wenn diejenigen ihre Bilder in ihren eigenen Timelines hochladen und regelrecht gebauchpinselt werden von ihren “Freunden”, weil sie so toll fotografieren. Diese sind es dann auch, die auf Kritik gleich in Abwehrhaltung übergehen und Standardphrasen wie “Ich wollte das so”, “Fotografie ist Kunst und Kunst kennt keine Regeln” oder mein Lieblingssatz “Geschmäcker sind verschieden” raushauen. Also nicht kritikfähig, aber diese werden sich dann auch nicht verbessern können.

Die nächste Gruppe die ich inzwischen schon recht amüsant finde, sind die sogenannten “Pixelpeeper”. Das sind jene Fotografen, die Bilder von anderen wie Wimmelbilder nach Fehlern durchsuchen und einen kleinen Fleck auf einer Wand bekritteln. Ist mir übrigens selbst kürzlich passiert, ein Bild wo ich sage, da sieht nie jemand auf einen kleinen weißen Fleck, denn ich selbst bei 200% Ansicht übersehen habe. Tja falsch gedacht. Ich kann mir selbst nicht erklären warum man sich ein Bild nicht normal ansehen und die Bildwirkung neben den fotografischen Part beurteilen kann ohne zwingend nach Fehlern suchen zu müssen. Ist es der Neid von manch anderen oder das Ego, welches manche streicheln müssen um sich besser als andere darstellen zu können? Wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben.

Wie ich Bilder beurteile

Ich sehe in den gefühlt 30 Fotografie-Gruppen auf Facebook täglich hunderte von Bildern, manche gut und manche weniger gut. Natürlich kann ich nicht alle kommentieren und dazu konstruktive Kritik weitergeben. Aber bei denen ich die Zeit dazu finde, achte auf das Bild und sehe es mir erstmals in der vergrößerten Ansicht an. Danach achte ich auf einen etwaig vorhandenen “goldenen Schnitt” oder den Schnitt nach der Drittelregel und anschließend auf die Schärfe beziehungsweise ob der Fokus sitzt. Danach kommt für mich die Bildwirkung an sich, wie wirkt dieses Bild auf mich, usw. So fallen mir zumeist auch mehre Dinge zum Bild auf, die ich auch in meinem Feedback dann unterbringe.

Wie konstruktive Kritik NICHT aussehen sollte

Das dies aber leider nicht die Regel ist, sieht man nun in den diversen Fotogruppen, egal ob Anfänger oder Profi. Oft fallen dabei Sätze:”Ist das Kunst oder kann das weg? Kann weg” oder “Dein Bild sieht scheiße aus”, “Was soll denn das sein” “Einfach nur ein Schnappschuss” “Da sieht man wieder, dass man auch mit teurer Ausrüstung schlechte Bilder machen kann” (BTW ich war jetzt noch echt diplomatisch, meistens geht es da viel ärger zu). Doch warum ist das so? Müssen wir die Arbeit anderer unbedingt schlecht machen? Warum können wir nicht einfach uns an coolen Bildern von anderen erfreuen?

Wie ihr sehen könnt, ist es heutzutage nicht leicht, Kritik abgeben zu können beziehungsweise hilfreiche Kritik zu bekommen. Wenn wir alle uns nicht gleich in unserem persönlichen Ego gekränkt fühlen, weil jemand es gewagt hat, die eigenen Bilder zu kritisieren, beziehungsweise lernen konstruktiv und sachlich Kritik/Feedback zu geben, dann wird es für alle Beteiligten um ein wesentliches leichter. Ich persönlich bin relativ selbstkritisch und ehrgeizig, von daher stöbere ich häufig bei 500px.com durch und lasse mich von vielen Bildern inspirieren. Das Rad neu erfinden werden wir sowieso nicht mehr, aber man kann sich so auch stetig selbst verbessern, wenn man die Bilder auf 500px oder in Facebook-Gruppen mit seinen eigenen vergleicht. Für mich bedeutet das also, das ich mich stetig verbessern möchte und nicht auf der Stelle treten möchte, denn das bedeutet zwangsläufig auch, dass man selbst Rückschritte macht.

By | 2015-10-17T19:31:47+00:00 Oktober 17th, 2015|Kommentar|0 Comments

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Fotograf und Retoucher aus Wien, Gründer des SonyAlpha-Blogs Liebt die Fotografie, aber meistens müssen Menschen auf den Fotos drauf sein.

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