#RETUSCHETALK – Vergesst das „Abpudern“

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Ich gebe zu, bei Retusche bin ich selbst ein bisschen übergenau, aber der Artikel wird auch nicht ohne Grund geschrieben, weil das „Abpudern“ so allgegenwärtig ist und das mittlerweile schon als „natürliche“, schnelle Retusche verkauft wird, was sie aber nicht ist, im Gegenteil. In diesen Artikel wird es also darum gehen warum ich das „Abpudern“ eher kritisch sehe und warum man auf andere Techniken setzen sollte, will man hochwertigere Ergebnisse erzielen.

Was ist das Abpudern eigentlich?

Mit „Abpudern“ wurde mal in einem Videotraining (ich weiß garnicht mehr ob das in einem „Calvinize“ Video war oder auf YouTube) eine Retuschetechnik benannt, die als untergeordnete Kategorie der Frequenztrennung eingeordnet werden kann. Technisch wird diese Technik IHP oder Invertierter Hochpass genannt, geläufig ist aber auch der Begriff „Bandstop“. In weiterer Folge des Artikels werde ich aber beim Begriff „Abpudern“ bleiben.

Warum sagt man denn Abpudern dazu?

Als Abpudern wird der Bandstop deswegen bezeichnet, weil sie oft zum Entfernen von Glanzstellen benutzt wird. (Darüber hab ich gestern erst mit einem Model gesprochen, das ich nicht verstehen kann warum man Glanzstellen so verteufelt beziehungsweise das bei der Retusche so verhunzt). Die feinen Strukturen der Haut bleiben erhalten, alles andere wird gnadenlos glatt gezogen. Schnelle Retusche eben… Wenn man irgendwo liest, das ein Model zu glatte Haut hat oder das sie aussieht wie eine Puppe, dann kann man zumeist davon ausgehen, das es sich um „Abpudern“ gehandelt hat. (Der Fairness halber will ich sagen, das es mit D&B genauso passieren kann, das sind aber Lernprozesse die man vor allem am Anfang macht).

Auf dem Beispiel sieht man, das auf beiden Bildern die Haut wunderbar glatt und sauber ist, beschäftigt sich man aber intensiver mit Retusche und Fotografie, dann sieht man auch die Schwachstellen des „Abpuderns“:

Ein grausliches, mikroperforiertes Hautbild, das je nach Betrachtungsabstand immer fleckiger und weichgezeichneter wird.

Warum wird das Abpudern so gerne benutzt?

Auf den ersten Blick ist es natürlich ne geniale Sache, die Technik funktioniert schnell und alles was wichtig ist im Bild ist da, die störenden Elemente sind entfernt, aber nur auf dem ersten Blick.

Was vor allem Anfänger in der Retusche gerne machen: sie zoomen auf 100% ins Bild hinein und retuschieren was das Zeug hält. Alle feinen Details sind bei so einen Betrachtungswinkel auch nach den Abpudern da, keine Unschärfe, keine Gummihaut. Das Problem an der Sache ist aber, das wir Bilder so gut wie nie auf 100% betrachten, das machen dann Pixelpeeper, die dann unbedingt einen Fehler im Bild finden wollen.

Zoomt man auf einen normalen Betrachtungswinkel raus, werden die Probleme schon sichtbarer. Im Bereich der Nasen beziehungsweise feinen Details (Augen, MakeUp) werden Unschärfen sichtbar. Die Konturen verschwimmen und das Bild verliert an Kontrast.

Zoomt man noch weiter hinaus, sieht man schon eine extreme Unschärfe im Bild. Details sind nicht mehr sichtbar und der abgeschnittene Frequenzbereich durch das Abpudern ist nicht mehr da. Zusätzlich haben wir jetzt Schatten/Flecken im Bild, die vorher nicht da waren im Original. DAS ist dann dieser typische Abpudern-Look, den man mittlerweile auf sozialen Netzwerken häufiger sieht. (Zugegeben, daran ist nicht nur diese Technik Schuld, die Beautify-Filter von Smartphones arbeiten aber im Prinzip auf denselben Prinzip). Das Problem, was ich hier sehe, das viele solche Hautbilder dann schon als normal ansehen und ich finde, wir haben da als Fotograf und Bildbearbeiter schon eine gewisse Verantwortung.

Rankin hat da sogar mal einen Test gemacht und Jugendlichen deren Bilder selbst bearbeiten lassen mit dem Smartphone:

https://www.jetzt.de/glotzen/das-fotoprojekt-selfie-harm-von-rankin

Doch zurück zum Artikel, zoomen wir weiter raus, haben wir noch mehr Unschärfe, wer da noch meint das sieht gut aus, hat den Schuss nicht gehört.

ABPUDERN – die „TECHNIK“ dahinter

Damit ihr seht, was bei der Technik passiert hab ich mal ein paar Grafiken erstellt um das ganze „technisch“ zu erklären:

Nehmen wir an unser Bild hat 0-100px, wobei 100px für die groben, hohen Frequenzen steht, 0px für die feinen, tiefen Frequenzen.

Abpudern

Lege ich auf meinen Bild einen Hochpassfilter drüber, sagen wir mit einen Wert von 30px, verwerfe ich alle groben Strukturen von 30px bis 100px.

Abpudern

Darauf legt man normalerweise einen Gaußschen Weichzeichner darüber, beim Bandstop nimmt man ein Drittel des Werts des Hochpassfilters. In unseren Fall sind das dann 10px:

Abpudern

Danach wird die Ebene nochmal invertiert und mit der Füllmethode „Lineares Licht“ versehen. Und damit blenden wir alles aus was über 30px und unter 10px ist.

Abpudern

Weil das schon so grauslich ausschaut nehmen wir eine invertierte Maske her und malen partiell die Bereiche mit einen weichen, weißen Pinsel (weil ja die Maske schwarz ist) an. Und das machen wir bei der Haut. Et Voila wir haben auf der Haut nur noch einen Frequenzbereich von 20px und das Hautbild sieht matt und matschig aus. Zeitdauer in etwa 5min. Doch sieht das dann super aus? Eher nicht.

Fazit

Ich zitiere hier mal Rankin, der da eine coole Aussage darüber getroffen hat:

Wenn ich zurück schaue auf die 1990er und 2000er Jahre, dann wird mir klar, dass wir es alle damals zu weit getrieben haben mit dem Retuschieren. Photoshop hat die Industrie revolutioniert. Es hat die Modewelt allerdings gut 20 Jahre gekostet, zu lernen, dass man sich auch zurückhalten kann und bis Authentizität wieder zum Trend wurde. Diese Apps gibt es erst ein paar Jahre. Ich hoffe, dass wir den Schaden, den sie anrichten, begrenzen können, bevor ganze Generationen davon verletzt werden.

Rankin (Quelle: https://www.jetzt.de/glotzen/das-fotoprojekt-selfie-harm-von-rankin)

Wenn es um Retusche geht, dann wird man von mir immer dieselbe Aussage hören: „Dezent bearbeiten, die Natürlichkeit in den Vordergrund stellen. Richtige Retusche sieht man nicht sofort oder nur im Vergleich mit dem Vorher-Bild. Und noch mein Paradesatz:

So viel wie nötig, so wenig wie möglich“

Roman Hammer

Welche Techniken sind besser?

Auch da hab ich eigentlich nur eine Aussage: Hautunreinheiten und störende Elemente auf einer leeren Ebene entfernen – Luminanzunterschiede mit D&B ausgleichen – Farbanpassungen zum Schluss. Fertig ist die natürliche Retusche. Um das ganze jetzt auf die Spitze zu treiben, hier ein kleiner Vergleich von einen kürzlich von mir retuschierten Bild:

Achja: 

Es gibt ja auch oft den Schmäh, zwischen den Frequenztrennungsebenen (also zwischen Low- und High-Ebene) eine leere Ebene zu erstellen und auf dieser zu malen. Auch diese Variante wird immer gefiltert aussehen. Und schönen Gruß von den 90igern, die wollen ihre weichgezeichneten Hautbilder wieder haben ;-)

Noch was:

Da ich ja das Bild von Julia vorhin mit dem Abpudern verhunzt hatte, hier mal meine normal retuschierte Version mit D&B:

abpudern

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Roman

Roman

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2 Kommentare zu „#RETUSCHETALK – Vergesst das „Abpudern““

  1. Toller Artikel Roman ! Es wird an der Zeit mich mehr mit D&G zu beschäftigen bzw. zu üben. Die ersten Versuche mit lokalen D&G haben mich zwar begeistert, aber ich habe eine gefühlte Ewigkeit benötigt.

    lG -dragan

    1. ja am Anfang dauert es zugegeben etwas länger, man will am Anfang immer zuviel und das dauert. Aber mit etwas Übung wird das dann schneller und flüssiger von Hand gehen.

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